Die Pista ciclopedonale Giordano Cottur in Triest

Pista Cottur in Triest
Per Rad auf alter Bahntrasse ins Rosandratal
11,9 Kilometer auf einer alten Bahntrasse von San Giacomo bis zur slowenischen Grenze. Tunnels, Aquädukte, Karst und am Ende fast 320 Höhenmeter im Sattel.
Steckbrief auf einen Blick
Strecke
11,9 km bis Grenze
Steigung
2,6 %
Höhenmeter
~320 hm
Belag
Asphalt + Schotter
Eröffnet
2010
Bus
Linie 51
Wenn ihr euer Rad dabei habt und nicht heikel seid, was ein bisserl Anstrengung betrifft, dann auf zu dieser Strecke. Sie führt von San Giacomo in Triest bis nach Slowenien, durch Karst-Landschaft, Akazienwälder, alte Bahntunnels und vorbei an stillen Bahnhöfen, die niemand mehr nutzt. Ein Naturerlebnis und gleichzeitig ein Stück industrielle Archäologie. Wir lieben diese Strecke und kommen jedes Frühjahr wieder.
Vom Schienenstrang zum Radweg
Die Bahnstrecke wurde 1887 eröffnet und verband Campo Marzio in Triest mit dem Bahnhof in Hrpelje, italienisch Erpelle, neben Kozina. Von dort ging es weiter auf der istrischen Bahnstrecke nach Pula. Rund 2.600 Arbeiter*innen bauten die Trasse in 20 Monaten, mit 5 Tunneln, 6 Brücken mit Metallträgern, 7 gemauerten Viadukten plus Bahnwärterhäusern und kleineren Bauten. Viele dieser Bauten stehen heute noch und machen die Pista zum Freilichtmuseum.
1959 wurde die Strecke stillgelegt und teilweise abgerissen. Die Beziehung mit dem damaligen Jugoslawien hatte durch den Eisernen Vorhang einen weiteren Tiefpunkt erreicht. Mit Hilfe von EU-Förderungen wurde fast 50 Jahre später die Bahnstrecke zum Rad- und Fußweg umgebaut und im Oktober 2010 als Pista Ciclopedonale Giordano Cottur eröffnet.

Wer war Giordano Cottur?
Giordano Cottur war Triestiner und Radsport-Profi und lebte von 1914 bis 2006. Er wurde dreimal Dritter beim Giro d’Italia, hinter den Legenden Coppi und Bartali, und war 1947 Etappensieger in Triest, einem hochpolitisch aufgeladenen Moment für die Stadt damals. Cottur stand für sauberen Sport ohne Drogen und war der festen Meinung, dass man als Meister geboren wird, aber zum Wasserträger werden muss. Um aber Wasserträger zu werden, müsse man ein kleiner Meister sein. Sein Motto: sich nie geschlagen geben.
So fährt sich die Strecke
Bis zur Grenze nach Slowenien sind es 11,9 km, bis nach Hrpelje 16 km. Eine durchschnittliche Steigung von 2,6 % klingt für Nicht-Sportler vielleicht ambitioniert, aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass es gut machbar ist. Wenn ihr bis zur Grenze fahrt, habt ihr fast 320 Höhenmeter im Sattel.
Etappe 1: San Giacomo bis Altura
Die ersten 4,2 km bis Altura fahrt ihr auf Asphalt, mit dem Krankenhaus Cattinara hoch oben am Hügel. Hier wechselt die Strecke ständig zwischen Stadt und Natur. Vorbei an Obst- und Gemüsegärten, immer wieder Ausblicke aufs Meer, auf den Industriehafen und Richtung Muggia. Und überall die baulichen Erinnerungen an die alte Bahntrasse: Aquädukte, Tunnels, alte Bahnhäuschen.
Etappe 2: Altura bis zur Grenze
Ab Altura wird es Schotterweg, dafür ist der Anstieg deutlich moderater. Hier seid ihr endgültig in der Natur. Akazienwälder, Karststeine, Stille. Ein Höhepunkt der Strecke ist neben der industriellen Archäologie der Blick auf das Rosandratal mit seinen hunderten Akazien. Bei Kilometer 6,6 lohnt der Stopp am alten Bahnhof Sant’Antonio in Bosco, bei Kilometer 11,8 am Bahnhof Draga Sant’Elia direkt vor der Grenze.
Highlights entlang der Strecke
Die Streckenkilometer-Marker helfen beim Wiederfinden. Hier unsere Lieblingsstops von der Stadt bis zur Grenze:
- KM 0,7 Passerella Via dell’Istria, der erste Übergang
- KM 2,3 das Aquädukt, ein altes Mauerwerk auf Stelzen
- KM 4,3 Sovrapasso über die Autobahn, der Übergang zwischen Stadt und Karst
- KM 5+ der Tunnel, ein Highlight industrieller Archäologie
- KM 5,5 der Kilometerstein, perfekter Ort für ein Foto
- KM 6,6 Bahnhof Sant’Antonio in Bosco, stillgelegt aber noch zu sehen
- KM 11,8 Bahnhof Draga Sant’Elia, kurz vor der Grenze











Anreise und Start
Der Startpunkt ist im Stadtteil San Giacomo, nahe dem Kinderkrankenhaus Burlo Garofolo. Mit dem Rad fahrt ihr zur Kirche Chiesa parrocchiale di San Giacomo apostolo, dann links die Straße entlang. Wenn ihr das Schild seht, gleich rechts in die Einfahrt. Beim ersten Einstieg müsstet ihr die Räder über Stufen tragen, das muss aber nicht sein, ein paar Meter weiter geht es ebenerdig hinunter.
Mit den Öffis kommt ihr per Bus 51 direkt in die Nähe des Startpunkts. Mit dem Auto gibt es Parkplätze beim Eingang, sollte alles voll sein, fahrt zur Kirche zurück, dort gibt es eine Tiefgarage darunter. Am Startpunkt selbst steht ein kleiner Info-Point, benannt nach Rodolfo Crasso, mit Karten und Streckendetails.
Praktische Tipps für die Tour
- Wasser selbst mitnehmen, entlang der Strecke gibt es keine Lokale. Wer einkehren will, muss von der Strecke runter.
- Sonnenschutz nicht vergessen, der Weg ist insgesamt sehr sonnig.
- Mit dem E-Bike entspannt machbar, mit normalem Rad braucht ihr Kondition.
- Frühling und Herbst sind die schönste Zeit. Im Sommer wird es auf dem Asphalt-Abschnitt heiß.
- Bei Regen lieber zu Hause bleiben, der Schotter wird matschig.
Häufige Fragen zur Pista Cottur
Wie lang ist die Pista Cottur genau?
Bis zur slowenischen Grenze sind es 11,9 km, bis Hrpelje (italienisch Erpelle) 16 km. Hin und zurück also 24 bis 32 km.
Wie schwer ist die Strecke?
Die Steigung beträgt im Schnitt 2,6 % und insgesamt sind 320 Höhenmeter zu überwinden. Mit normaler Kondition gut zu schaffen, mit E-Bike entspannt.
Ist die Pista Cottur das ganze Jahr offen?
Ja, die Strecke ist ganzjährig zugänglich. Die schönste Zeit ist Frühling und Herbst, im Sommer wird es heiß auf dem Asphalt-Abschnitt, bei Regen wird der Schotter matschig.
Wie komme ich zum Startpunkt?
Bus 51 fährt direkt in die Nähe von San Giacomo. Mit dem Auto gibt es Parkplätze am Eingang oder eine Tiefgarage unter der Kirche San Giacomo. Adresse für das Navi: Via Giovanni Orlandini bei Burlo Garofolo.
Kann ich die Strecke auch zu Fuß machen?
Klar, sie heißt nicht umsonst Pista ciclopedonale, also Rad- und Fußweg. Der erste Abschnitt hat sogar getrennte Spuren für Radler*innen und Fußgänger*innen. Für eine reine Wanderung ist die Strecke aber sehr lang, plant entweder eine Teiletappe oder kombiniert mit Bus 51.
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