Wie aus Tergeste Triest wurde

Wie aus Tergeste Triest wurde

Von keltischen Siedlungen über die Römerzeit und die Habsburger bis zum Aufstieg als Freihafen: die frühe Geschichte von Triest auf einen Blick.

Steckbrief auf einen Blick

Erste Erwähnung
104 v. Chr.

Römer
ab 128 v. Chr.

Name
Tergeste = Markt-Stadt

Habsburger
seit 1382

Freihafen
seit 1719

Röm. Überreste
Arco di Riccardo

Tergeste

Rund 180 Jahre v. Chr. lebten in der Gegend von Triest Kelten und Illyrer. 177 v. Chr. hatten die Römer bereits das nahe Aquileia gegründet und nahmen von dort aus ihre Feldzüge nach Istrien auf. Zu dieser Zeit lag die damalige Siedlung Tergeste im Gebiet der Histrer und war Teil von Illyrien. Die Menschen hier unterstützten den Feldzug der Römer, und so kam es, dass sich 128 v. Chr. erstmals Römerinnen und Römer auf dem Hügel San Giusto in Tergeste ansiedelten. Tergeste wurde erstmals 104 v. Chr. urkundlich erwähnt.

Der Name Tergeste wird in unterschiedlichen Quellen den Veneti zugeschrieben, denen wiederum eine Verbindung mit den Illyrern zugeschrieben wird. „Terg“ bedeutete Markt, „Este“ Stadt: Tergeste war also schlicht die Markt-Stadt.

Ein kurzer Exkurs zur Villa Maritima in Barcola

Noch vor Christi Geburt erbauten die Römer in Barcola auf der Höhe der heutigen Viale Miramare 48, zwischen dem heutigen Friedhof und der Kirche San Bartolomeo, eine feudale Villa Maritima. In der römischen Antike wurden zahlreiche solcher Luxus-Villen erbaut, insbesondere am Golf von Neapel, der spanischen Mittelmeerküste und an der Côte d’Azur.

Die Villa in Barcola umfasste Terrassen, einen Prunksaal, Wohnbereiche, Garten, Therme und vieles mehr. Hier wurden einige Kunstwerke gefunden, die im Museo Civico in San Giusto besichtigt werden können. Davon ausgehend entwickelte sich Barcola, damals unter dem Namen Vallicula. Zunehmend siedelten sich Patrizier und Adelige an, die den Luxus-Tourismus der Antike zum Blühen brachten. Und schon damals wurde Wein an den Hängen angebaut: der Lieblingswein von Livia, der Frau des Augustus, der sogenannte Vino pulcino.

Tergeste Triest um und nach Christi Geburt unter den Römern

Damals wurde Tergeste insbesondere als Grenzfestung gegen die Japyden genutzt. Mitte des 1. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Hafenort im Römischen Reich, wurde an die Handelsstraßen der Adria sowie in die julischen Alpen angeschlossen und durch Stadtmauern geschützt. Zu dieser Zeit lebten in Triest rund 12.000 Einwohnerinnen und Einwohner, die die Stadt um eine Basilika und ein Theater ergänzten.

Tergeste war zwar eine wichtige Hafenstadt, konnte Aquileia in der regionalen Bedeutung jedoch nie überholen. Rund 300 n. Chr. begann die Stadt zu stagnieren. Mit dem Zerfall des Weströmischen Reiches 476 n. Chr. änderte sich vieles: Die Stadt wurde abwechselnd von Ostgoten, Byzantinern und Langobarden geführt. 774 n. Chr. kam Karl der Große, rund 250 bis 300 Jahre später übernahm der Bischof von Triest die weltliche Macht. 1203 erfolgte für 180 Jahre die Eroberung durch Venedig: Die Stadtmauer wurde abgerissen, die Konflikte waren intensiv.

Triest und die Habsburger

1382 stellten sich die Triestinerinnen und Triestiner freiwillig unter den Schutz der Habsburger. Sie erschienen weit genug entfernt, um die Unabhängigkeit der Stadt fortführen zu können. Leopold III. übernahm am 30. September in der Grazer Burg das Protektorat, sagte die Unabhängigkeit zu und behielt sich das Vorrecht, den militärischen Statthalter zu ernennen.

85 Jahre später kam es wieder zu Bürgerkämpfen und Verwüstungen, die dazu führten, dass die städtische Unabhängigkeit immer geringer wurde. Als Vertretung der Habsburger fungierten die Grafen von Montenari. In den Jahren 1508 und 1509 gab es kurzzeitig Besetzungen durch Venedig, fast 200 Jahre später dann auch durch Napoleon: 1797, 1805 bis 1806 und 1809 bis 1813.

Der Aufschwung von Triest als Freihafen

Den entscheidenden Schub bekam Triest 1719 mit der Ernennung als Freihafen. Mehr dazu findest du im Beitrag über die Geschichte des Canal Grande und des Borgo Teresiano.

Ein Rundgang zu den Überresten aus der römischen Zeit in Triest

Wenn du auf den römischen Spuren wandeln möchtest: Es gibt einen eigenen Beitrag, der dich von Station zu Station durch die Überreste der Römerzeit in Triest führt.

Häufige Fragen zur Geschichte von Tergeste

Was bedeutet der Name „Tergeste“?

Der Name Tergeste wird verschiedenen Ursprüngen zugeschrieben: Manche Quellen leiten ihn vom Venetischen ab und deuten ihn als „Markt-Stadt“. Andere sehen eine keltische Wurzel. Sicher ist, dass der Name bereits in römischen Quellen des 2. Jahrhunderts v. Chr. belegt ist.

Wann wurde Triest von den Römern gegründet?

Triest wurde 128 v. Chr. als römische Kolonie gegründet. Zuvor lebten in der Gegend keltische Stämme sowie venetische Siedler. Die Römer nutzten die Stadt vor allem als Grenzfestung und Hafenstadt an der Adria.

Was sind die bekanntesten Überreste aus der Römerzeit in Triest?

Das bekannteste Überbleibsel ist der Arco di Riccardo, ein römischer Stadtbogen aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. im Herzen der Altstadt. Dazu kommen Reste des römischen Theaters (Teatro Romano) sowie Fragmente der antiken Stadtmauer.

Wie lange gehörte Triest zu den Habsburgern?

Triest stellte sich 1382 freiwillig unter den Schutz der Habsburger und blieb — mit kurzen Unterbrechungen durch napoleonische Besatzung — bis 1918 Teil des Habsburger Reiches. Das sind über 500 Jahre, die das Stadtbild bis heute prägen.

Warum wurde Triest 1719 zum Freihafen ernannt?

Kaiser Karl VI. erklärte Triest 1719 zum Freihafen, um Österreich einen direkten Zugang zum Seehandel zu sichern. Der Status als Freihafen befreite den Handel von Zöllen und machte Triest innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der wichtigsten Häfen des Mittelmeerraums.

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