Wenn ihr den Namen des Viertels „Borgo Teresiano“ mit Kaiserin Maria Theresia verbindet, dann seid ihr genau auf dem richtigen „Dampfer“. Und wie euch dieser „Dampfer“ in früheren Zeiten auf den Canal Grande geführt hätte, erzählen wir dir ebenfalls hier.

Wie mit Kaiser Karl VI, Vater von Maria Theresia, der Aufschwung begann

Wie ihr vielleicht wisst, war Triest von 1382 bis 1918 Teil des Habsburgischen Reichs. Ein Meilenstein in der Geschichte Triests wurde von Maria Theresia´s Vater, Karl VI., im Jahr 1719 gesetzt. In diesem Jahr wurde Triest zum Freihafen ernannt! Das spielt auch heute noch eine wichtige Rolle als Verbindung zwischen Europa und der maritimen Seidenstraße – aber das ist eine andere Geschichte 😉

Die Ernennung zum Freihafen ging mit Sonderregelungen bezüglich Steuern, Import, Export und Zollabwicklung sowie Lagerung einher. Das hat Triest einen enormen Aufschwung beschert.

Workshop of Jacob van Schuppen, Public domain, via Wikimedia Commons

Maria Theresia und ihr Engagement für Wachstum in Triest

Martin van Meytens, Public domain, via Wikimedia Commons

Maria Theresia hat diese Entwicklung in weiterer Folge besonders gefördert. Das heutige Gebiet des Borgo Teresiano befand sich außerhalb der Stadtmauern, hier waren zahlreiche Salzfelder. Die Bevölkerung von Triest wuchs durch den Aufschwung stark an. Daher war zusätzlicher Platz für den Handel und die Kaufleute gefragt. Die Entscheidung viel auf die Salzfelder im Westen der Stadt. Diese wurden ab 1749 trockengelegt und als Handelszentrum inmitten eines neuen, modernen Stadtteils geplant. Ursprünglich war ein schiffbares Netz mit mehreren Kanälen vorgesehen, es blieb aber bei diesem einen.

Bevor das Borgo Teresiano zu dem wurde, was es heute ist

Maria Theresia hat diese Entwicklung in weiterer Folge besonders gefördert. Das heutige Gebiet des Borgo Teresiano befand sich außerhalb der Stadtmauern, hier waren zahlreiche Salzfelder. Ihr könnt das auf dem Plan aus 1718 sehr gut nachvollziehen. Die schwarze Linie ist die damalige Stadtmauer, links davon sehr her die Salzfelder.

Joh. Righetti, Public domain, via Wikimedia Commons
Joh. Righetti, Public domain, via Wikimedia Commons

Wenn ihr heute durch Triest spaziert fällt euch sicher auf, dass sich dieses Viertel stark von den anderen unterscheidet. Alle Straßen sind linear und rechtwinkelig im Schachbrettmuster angelegt und auch bei den Gebäuden lassen sich die damaligen Regelungen noch erkennen: die Geschäftsgebäude am und um den Canal Grande haben erkennbar extrahohe Lagerräume im Erdgeschoss – darüber gab es ursprünglich ein Geschoß für Wohnungen und ein Dachgeschoss. Die weiteren Gebäude wurden als Wohnhäuser mit zwei Etagen für Wohnungen geplant. Begonnen wurde übrigens auf den Flächen rechts des Canal Grande, da dies die Verbindung mit der Altstadt war. Schon damals gab es Zeiten des Arbeitskräftemangels, weshalb erst rund 25 Jahre später die Straßen links des Canal Grande ausgebaut wurden.

Ein Maria-Theresia-Taler der besonderen Art

Seit 07.02.2203 gibt es auf der Piazza Ponterosso einen besonderen Taler zu Ehren Maria Theresias. 17 Tonnen Gewicht und eine halbe Mio. EUR Investment machen diese überdimensionale Version der berühmtesten Silbermünzen der Welt zu einer besonderen Erinnerung an jene Habsburger Kaiserin, die Triest nicht nur wirtschaftlich vorangebracht, sondern auch zahlreiche Schulen gegründet hat. So kommt die „Europa´s Schwiegermutter“* doch noch nach Triest. Denn laut Überlieferungen war sie persönlich nie in dieser aufstrebenden Stadt.

*Weißt du, warum sie Schwiegermutter Europa´s genannt wurde? Sie ist dem Credo der Habsburger „Andere mögen Kriege führen, du, glückliches Österreich, heirate!“ besonders gefolgt. Immerhin hatte sie 12 Kinder 😉

Der Canal Grande

Canal Grande Triest
Canal Grande Triest

Im Jahr 1756 wurde der Canale Grande fertiggestellt, mit einer Länge von 370 Metern und 28 Meter breit- im Vergleich zu heute also deutlich länger (bis zur Kirche am Ende des Kanals, die 1842 erbaut wurde) und damals auch tiefer. Der Bau kostetete damals rund 90.000 Gulden. Handelsschiffe fuhren hier von der Adria kommend ein und waren gegebenenfalls vor der Bora, dem Wind aus dem Karst, geschützt.

Ursprünglich gab es drei Brücken am Canal grande:

  • In der Mitte des Kanals gab es eine Brücke, um die beiden gegenüberliegenden Ufer zu verbinden, die “Ponte Rosso”, die ursprünglich aus rot gestrichenem Holz gebaut wurde und 1832 durch eine Eisenkonstruktion ergänzt wurde, um sie öffnen zu können. Sie ist die einzige Brücke, die heute noch (modernisiert) existiert – Gott sei Dank, denn an der Eck der Mole befindet sich ein originaler Wasserstandsmasser im Stein. Die Skala ist in Fuß und Pariser Zoll angegeben und die Null dieses Wasserstandsmessers ist gemeinhin als Zero di Ponte Rosso bekannt.
  • 1827 wurde die drehbare „Grüne Brücke“ am Beginn des Canal Grande gebaut, die geöffnet wurde, wenn Schiffe einfuhren. Eine Überquerung gibt es hier natürlich auch heute noch an der Riva, aber nicht mehr vergleichbar mit der damaligen Brücke.

Neben der Ponte Rosso gibt es heute noch den Passaggio Joyce, der von den Triestiner*innen verschmitzt Ponte Curto genannt wird, weil diese Fußgängerbrücke ursprünglich wohl einen Messfehler hinsichtlich der Brückenlänge hatte.

Was sich heute noch unter der Piazza Sant´ Antonio befinden soll

Die Piazza Sant´Antonio entstand erst 1934, als dieser Teil des Kanals mit den Bauschutt aus der Altstadt zugeschüttet wurde. Angeblich befindet sich darunter ein Torpedoboot der habsburgischen Marine, das 1917 hier anlegte. Das verlassene Boot diente angeblich so manchem Kind als Spielplatz und wurde von ihnen „el sotomarin“ genannt.

Mein persönlicher Tipp

Schaut euch den Canal Grande unbedingt tagsüber UND bei Sonnenuntergang an: