Karst Wein

Was der Ort Prosecco mit dem Prosecco zu tun hat

mit Prosecco anstoßen

Eine Geschichte zurück in die Antike

Livia Drusilla, wife of Emperor Augustus, Basalt, ca. 31 BC, Louvre Museum (33164809302)

Bereits in der Antike wurde hier der Wein Pucino aus der Glera-Traube hergestellt, der um Christi Geburt hoch beliebt bei der 3. Gattin von Kaiser Augustus, Livia Drusilla, war. Warum? Sie meinte, der Pucino aus dem Castellum Pucinum, dem heutigen Ort Prosecco, habe eine hohe medizinische Wirkung und sei ein „Elexier für langes Leben“. Plinius der Ältere, ein römischer Gelehrter und Verwaltungsbeamter, beschrieb die Herkunft des Pucino sehr genau in seinem Werk „Naturalis historia“.   

Bildquelle: Carole Raddato from FRANKFURT, Germany, CC BY-SA 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0, via Wikimedia Commons

Im 17. Jahrhunderte weitete sich der Anbau der Glera-Trauben nach Venetien und Friaul aus – mit Rebstöcken aus Prosecco. So gelten oft die Hügel von Conegliano und Valdobbiadene in der Region Treviso als Heimat des Prosecco und sie – le Colline del Prosecco di Conegliano e Valdobbiade – sind sogar UNESCO Weltkulturerbe. Seit 2009/2010 gilt Prosecco gesetzlich als Herkunftsbezeichnung und nur Weine aus bestimmten Regionen in Venetien und FVG dürfen so bezeichnet werden.

„Prosecco“ als Name tauchte erstmals 1754 in einem Gedicht von Valeriano Canati (unter dem Pseudonym Aurelian Acanti) auf: „… und jetzt will mir den Mund benetzen mit diesem apfelaromatischen Prosecco …“. Der Name leitete sich tatsächlich vom Ort Prosecco ab und bezog sich auf den hiesigen Wein.

Das besondere am Prosecco hier war die Herstellung: Im Karst war es im Winter so kalt, dass der Gärungsprozess der spätreifenden Glera-Trauben durch die Kälte unterbrochen wurde und durch die Nachgärung im Frühjahr eine leichte Kohlensäure entstand!

Der Ort Prosecco wurde übrigens erstmals 1308 als Prossecho erwähnt, später als Prosec (1372) , Prossegk (1421) bzw. Proseck (1494)Der Name kommt aus dem Slowenischen und leitet sich von prosek ab – durch den Wald geschnittener Weg bzw. abgeholzte Fläche.

„Secco“ steht also nicht für das italienische „trocken“ 😉

Vielmehr wurde der Wein damals wie heute von den slowenischsprachigen Menschen der Gegend einfach „Prosekar“ genannt. Und diesen Prosekar gibt es hier noch, denn noch heute werden im Karst und in Istrien Glera-Trauben, aber auch Malvasia und Vitovska angebaut. In Triest findet ihr diesen z.B. beim Weingut Bole, den Prosekar als Cuvee produziert. Dieser wird sowohl als trockener Weißwein wie auch als Schaumwein verkauft. Der Name Prosecco darf hingegen seit der Verordnung 2009 weder hier noch sonst wo außerhalb der Prosecco-Region verwendet werden, da der Name für eine Herkunftsbezeichnung steht:

  • DOC (Denominazione di origine controllata) Gebiete sind fünf Provinzen in Venetien und FVG
  • DOCG (Denominazione di origine controllata e garantita) Prosecci kommen ausschließlich aus den Voralpen von Treviso, nämlich Valdobbiadene und Conegliano sowie Asolo.

Wie um den Prosecco weltweit gestritten wird

Prosecco ist einer der beliebtesten Schaumweine. Das hat natürlich auch dazu geführt, dass es qualitative Höhen und Tiefen gab und dass die Namensnutzung immer wieder einige Streits vom Zaun gebrochen haben. So kennt ihr vielleicht den kroatischen Prosekar – zumindest aus den Medien.

Der bekannte kroatische Prosek ist ein Süßwein aus Dalmatien. Dieser wird aus getrockneten kroatischen Trauben produziert, wobei Glera mit zwei anderen Traubensorten kombiniert werden. Schon im Rahmen des EU-Beitritts von Kroatien 2013 hat Kroatien für die Anerkennung des Begriffs „Prosek“ gekämpft. In Brüssel wurde das jedoch aufgrund der zu ähnlichen Namensgebung abgewiesen. Dazu wird immer wieder mal diskutiert, was insofern spannend ist, weil die Weine ja völlig unterschiedlich schmecken.

Aber auch außerhalb der EU hat sich ein Streit um den Prosecco entbrannt:

Otto Dal Zotto, ein italienischer Auswanderer, brachte einen Rebstock aus Valdobbiadene mit nach Australien und baut die Reben seit der letzten Jahrtausendwende im großen Stil an. Damit setzte er einen Trend in Austrialien. Der wirtschaftliche Erfolg des Prosecco in Australien spricht für sich und Signore Dal Zotto verkauft 95% seines Weins regional. Doch im Rahmen eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Australien kam auch hier die Diskussion über die Namensgebung auf, immerhin sei Prosecco seit 2009 eine Herkunftsbezeichnung…

Zwei Tipps zum Abschluss

Hier in der Region wird der regionale Prosekar aus der Gegend um Triest naturalmente als hochwertiger erachtet als der Prosecco aus Venetien und FVG. Warum? Weil aufgrund des Karstbodens weniger Menge geerntet werden kann als anderswo und der Geschmack daher besser sei. Aber letztlich ist das einfach Geschmackssache, also mach den Vergleich und bestell einen Prosekar bei deinem nächsten Osmiza-Besuch!

Wenn du in Prosecco bist, gibt es einen wunderschönen Weg, die Strada dei Pescatori, von Contovello über den K&K-Bahnhof Miramare direkt in den Schlosspark. Es ist ein alter Fischerweg, der wirklich sehenswert ist 🙂

Hier findest du nähere Infos:

Häufige Fragen zum Prosecco aus Triest

Hat der Ort Prosecco wirklich mit dem Schaumwein zu tun?

Ja, sehr direkt. Der Ort Prosecco im Karst über Triest gilt als ursprünglicher Namensgeber. Bereits 1754 erwähnte ein Gedicht von Valeriano Canati den Wein „Prosecco“. Die Glera-Traube, aus der der heutige Schaumwein gemacht wird, hieß früher „Prosecco“ und stammt aus dieser Gegend.

Was bedeutet der Name Prosecco wörtlich?

Der Name kommt aus dem slowenischen „prozek“ oder „prosek“, was so viel wie „durch den Wald“ bedeutet, möglicherweise auch von „proseka“ (Schneise im Wald). Mit dem italienischen „secco“ für „trocken“ hat der Name nichts zu tun, auch wenn das oft angenommen wird 😉

Was ist der Unterschied zwischen Prosecco und Prosekar?

Prosecco ist heute geschützte Herkunftsbezeichnung für italienischen Schaumwein aus der Glera-Traube, vor allem aus Veneto und Friaul. Prosekar ist die ursprüngliche, lokale Triester Variante aus dem Karst, oft halbtrocken bis süß, traditionell handwerklich produziert von wenigen Karstweinbauern. Beide haben dieselbe Wurzel, sind aber heute zwei unterschiedliche Welten.

Wo kann ich in Triest authentischen Karst-Prosecco probieren?

Am authentischsten in einer Osmiza im Karst, dort fließt der Hauswein des jeweiligen Bauern. Empfehlenswert sind Osmize in Prosecco, Contovello, Aurisina oder Sgonico. Aktuelle Öffnungszeiten findest du auf osmize.com. In der Stadt bekommst du Karstweine zum Beispiel in der Enoteca Bischoff in der Via Mazzini 21.

Wie kommt es zum Streit um den Namen Prosecco?

Da Prosecco zu einem der weltweit beliebtesten Schaumweine wurde, wurde der Name in der EU geografisch geschützt. Daraus entstanden Streitigkeiten mit Kroatien (Prošek, ein Süßwein aus Dalmatien) und mit australischen Winzern, die ebenfalls aus Glera-Trauben Schaumwein produzieren und ihn historisch ebenfalls Prosecco nennen wollten. Die rechtlichen Auseinandersetzungen laufen bis heute weiter.

Triest auf eigene Faust entdecken

Du möchtest mehr von Triest sehen, aber ohne fixe Stadtführung mit Uhrzeit und Treffpunkt? Lieber selbstgeführt, in deinem Tempo, mit ein bisschen Schmäh und kleinen Geschichten am Wegrand? Dann hab ich was für dich: bei ixpirity haben wir digitale Schnitzeljagden gebaut, die dich mit Rätseln, Anekdoten und kleinen Aufgaben durch die Stadt führen. Du startest, wann du willst, und entdeckst Triest auf eine Art, die sich mehr nach Spaziergang als nach Sightseeing anfühlt.

ixpirity ist unsere Plattform für selbstgeführte digitale Schnitzeljagden für sieben Städte in Norditalien und Slowenien: Triest, Muggia, Grado, Palmanova, Gorizia und Piran. Jede Tour läuft am Smartphone über die kostenlose App, dauert je nach Stadt ca. 1,5 bis 2 Stunden. Die Touren kannst du auf Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch oder Spanisch machen. Du startest und pausierst, wann du willst und machst die Tour in deinem Tempo, so lange du willst.

Alle Schnitzeljagden wurden von Isabella und dem kleinen well-living Team persönlich entwickelt, umgesetzt und gemeinsam mit lokalen Triestiner Mitstreiter*innen getestet. Wir von well-living und ixpirity lieben diese Region und haben hier neben Wien eine zweite Heimat in Triest gefunden.

Eine Übersicht aller digitalen Schnitzeljagden findest du auf der ixpirity-Sammelseite für Italien.

Digitale Schnitzeljagden von ixpirity für Triest, Muggia, Grado, Palmanova, Gorizia und Piran
ixpirity, digitale Schnitzeljagden für Triest, Muggia, Grado, Palmanova, Gorizia und Piran

Ähnliche Beiträge