Mit der Tram di Opicina auf Zeitreise

Mit der Tram di Opicina auf Zeitreise

Seit 1902 verbindet eine technische Wunderkonstruktion Triest mit dem Karst. 5,2 Kilometer, 26 Prozent Steigung, 329 Höhenmeter, ein Stück Verkehrsgeschichte.

⚠️ Status Mai 2026

Tram aktuell außer Betrieb

Nach 9 Jahren Stillstand fuhr die Tram di Opicina von Februar 2025 bis Oktober 2025 wieder. Am 12. Oktober 2025 ging das Zugseil der Standseilbahn kaputt. Daraufhin hat Trieste Trasporti die ohnehin fällige 5-jährige Revision vorgezogen, um Reparatur und Revision in einem Rutsch zu erledigen. Lavori laufen seit 15. Januar 2026 entlang der gesamten Strecke, voraussichtliche Wiedereröffnung Mitte Juni 2026, dann mit neuer Endhaltestelle Piazza Dalmazia. Aktuell verkehren Ersatzbusse auf der gleichen Route. Den aktuellen Status checkst du am besten direkt bei TPL FVG.

Steckbrief auf einen Blick

Eröffnet

9. September 1902

Strecke

5,175 km

Steigung

bis 26 %

Höhe Opicina

329 m ü. NN

Die Tram di Opicina ist nicht einfach eine Straßenbahn. Sie ist eine einzigartige Kombination aus Straßenbahn und Standseilbahn, eine technische Wunderkonstruktion aus dem Jahr 1902, die Triest mit dem Karstplateau verbindet. Die Fahrt dauert nur 25 Minuten, fühlt sich aber an wie eine Zeitreise. Wir lieben diese Bahn.

Warum die Tram di Opicina so besonders ist

Über 5,175 km und mit einer maximalen Steigung von 26 Prozent führt die heutige Schmalspurbahn hinauf nach Opicina, das 329 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die Bahn ist dabei eine einzigartige Kombination aus Straßenbahn und Standseilbahn. Sie überwindet diese extreme Steigung mit Hilfe einer Hilfslokomotive, die auf einem Streckenabschnitt das Wagengewicht abfängt, und sie fährt auf einer Panoramastrecke mit grandiosen Ausblicken auf Triest und den Golf.

Die turbulente Geschichte der Tram

Die Tram di Opicina wurde am 9. September 1902 triumphal eröffnet, als technisches Meisterwerk ihrer Zeit. Ursprünglich war sie als Zahnradbahn konzipiert mit zwei Zahnradlokomotiven. Wegen technischer Probleme wurde sie 1928 auf das heutige System mit Hilfslokomotive umgebaut. Im Lauf von über 120 Jahren ging die Tram durch viele Stillstand-Phasen, der prominenteste war die letzte: 9 Jahre außer Betrieb von 2016 bis Februar 2025, wegen eines Unfalls und nachfolgender Sanierung. Die Wiedereröffnung im Februar 2025 war für die Triestiner*innen ein emotionaler Moment, bis im Oktober 2025 das Zugseil riss und die Tram erneut zum Stehen kam.

Trieste Trasporti hat dann die ohnehin anstehende 5-jährige Revision vorgezogen und seit 15. Januar 2026 laufen umfassende Arbeiten: Reparatur des Zugseils, Erneuerung der Oberleitung, neue Schienen zwischen Piazza Dalmazia und Casali, Revision der Standseilbahn-Mechanik. Auch die Endhaltestelle in Triest wurde verlegt: Sie heißt jetzt nicht mehr Piazza Oberdan, sondern Piazza Dalmazia. Ab Mitte Juni 2026 soll die Tram wieder fahren.

Die Geschichte hatte einen turbulenten Start. Schon einen Monat nach der Eröffnung, am 10. Oktober 1902 um 7.30 Uhr, kam es zum ersten von zahlreichen Unfällen: Die Bremsen der Lokomotive Nr. 4 versagten und der Wagen überschlug sich. Es war der einzige Wagen mit offenen Seiten und Metallgitter. Die Triestiner haben den Vorfall sogar in einem Lied verarbeitet, das bis heute hörenswert ist, samt Warnsignal, das übrigens auch heute noch dasselbe ist. Trotz des holprigen Anfangs etablierte sich die Bahn und die Flotte wuchs von sechs auf acht Lokomotiven plus einen geschlossenen grauen Güterwagen.

Weil die Beförderungskapazität trotz Aufstockung nicht reichte, wurde die ursprüngliche Zahnradbahn durch eine Standseilbahn ersetzt. Das war am 26. April 1928. Die nächsten Modernisierungen kamen 1978, als die kastenförmigen Standseilbahnwagen durch neue mit kleiner Kabine für das Bedienpersonal ersetzt wurden, und 2005, als die Lokomotiven durch ferngesteuerte Modelle ausgetauscht wurden. Dass die Tram über 120 Jahre lang technisch immer wieder neu erfunden wurde, ist Teil ihrer Magie.

So fährt die Strecke

Etappe 1: Piazza Dalmazia bis Piazza Scorcola

Auf diesem Abschnitt ist die Tram eine ganz normale elektrische Straßenbahn. Bis zur Piazza Scorcola fährt sie mit Strom aus der Oberleitung. Dann beginnt der spannende Teil.

Etappe 2: Piazza Scorcola bis Vetta Scorcola

Hier kommt die Steigung von bis zu 26 Prozent ins Spiel: 160 Höhenmeter müssen auf 799 Metern Strecke überwunden werden. Eine Hilfslokomotive schiebt von unten den Wagen nach oben. Wenn du nach vorne schaust, siehst du das Seil und zahlreiche Rollen, auf denen das Seil geführt wird. Bei der Talfahrt wird die Hilfslokomotive vor den Wagen gestellt und sorgt für die Bremsung.

Die Hilfslokomotiven sind flach gebaut und transportieren keine Reisenden, kein Bedienpersonal und keine Güter. So haben die Fahrer in den Wagen eine freie Sicht über die ganze Strecke. Hast du eine Idee, warum es so viele Rollen für das Seil gibt? Genau, weil die Strecke nicht gerade, sondern kurvig ist und das Seil immer wieder umgelenkt werden muss. Bei der Station Vetta Scorcola wird die Hilfslokomotive wieder entkoppelt.

Etappe 3: Vetta Scorcola bis Opicina

Wieder als normale Straßenbahn, aber mit den schönsten Panoramablicken der ganzen Strecke. Auf dem Standseilbahn-Abschnitt fährt die Bahn mit bis zu 12 km/h, insgesamt dauert die Fahrt knapp 25 Minuten.

Was du in Opicina machen kannst

Der Obelisk

Obelisk an der Endstation Opicina

Zwei Stationen vor der Endstation in Opicina hält die Tram an der Station Obelisco. Hier findest du nicht nur ein beeindruckendes Monument, den Obelisk von Opicina, sondern auch einen atemberaubenden Panoramablick über den Golf von Triest. Der Obelisk wurde am 30. März 1839 eingeweiht, etwas später als geplant. Er hatte zweierlei Bedeutung: Zur Erinnerung an den Besuch von Kaiser Franz I. von Österreich, der für den 22. Oktober 1838 angesetzt war, und zur Erinnerung an die Eröffnung der neuen Verbindungsstraße zwischen Triest und dem österreichischen Hinterland am 31. Dezember 1830.

Im Vergleich zur ursprünglichen Straße von 1779 wurde die Steigung von 16 auf 4 Prozent reduziert. Da der Handel zwischen dem Freihafen Triest und dem Rest des Habsburgerreiches massiv zunahm, brauchte es einen einfacheren Transportweg, der mit der neuen Straße geschaffen wurde. Kaiser Franz I. war übrigens bis 1806 als Kaiser Franz II. der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und der Großvater von Kaiser Franz Josef. Aber das ist eine andere Geschichte 😉.

Das Park Hotel Obelisco – ein Haus mit Geschichte

Auf der anderen Straßenseite vom Obelisk steht ein Gebäude, dessen Geschichte bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Aktuell ist es mehr Baustelle als Sehenswürdigkeit, denn es wird an der Wiederbelebung gearbeitet, nachdem das Haus seit fast 40 Jahren leer steht. Ursprünglich war hier eine Gaststätte mit Ställen für Reisende, Postkutschenfahrer und kaiserliche Boten, bis daraus 1873 das Grand Hotel Obelisque wurde, in Anlehnung an den gegenüberliegenden Obelisken.

Der britische Entdecker Sir Richard Francis Burton soll hier in den ersten Monaten seiner Zeit in Triest Teile seiner Übersetzung von Tausendundeine Nacht geschrieben haben. Er war ein Weltenbummler, und selbst für ihn gab es hier die schönste Aussicht der Welt 🥰.

In den frühen 1900er Jahren wurde das Hotel als Kurort genutzt, als Schweiz an der Adria, für Atemwegserkrankungen und neurologische Leiden. In den 1970er Jahren erlebte es als Park Hotel Obelisco eine kurze Blütezeit als Hot Spot mit Partys, Swimmingpool und Tennisplätzen. 1985 schloss es endgültig und galt bis vor Kurzem als Lost Place. Aktuell wird es restauriert, geplant ist anscheinend ein neues 5-Sterne-Hotel.

Caffè Vatta

📍 Strada per Vienna, ein paar Schritte nach der Endstation

Ein paar Schritte nach der Endstation findest du links an der Straße das Caffè Vatta. Der Gambero Rosso, einer der angesehensten Restaurantführer Italiens, hat das Caffè Vatta als eine der besten Bars des Landes gekürt. Und zurecht, wie wir meinen 🤩. Hier hatten wir eines der besten Clubsandwich unseres Lebens, dazu sehr gute Süßspeisen und natürlich besten italienischen Kaffee. Besonders nice finden wir das pranzo veloce, eine schnelle, aber hochwertige Option fürs Mittagessen. Außerdem gibt es eine beeindruckende Auswahl von über 300 Weinen, auch aus dem Karst, und einen angrenzenden Shop mit lokalen Angeboten.

Strada Napoleonica

Direkt beim Obelisk in Opicina startet die Strada Napoleonica, ein flacher Wanderweg, der angeblich 1797 unter Napoleon angelegt wurde, aber gesichert ist diese Info nicht 😉. Der Weg bietet herrliche Ausblicke auf das Meer, Miramare und die Stadt. Wir haben ihm einen eigenen Beitrag gewidmet.

Monte Grisa als Verlängerung

Wenn du der Strada Napoleonica fast bis Prosecco folgst, kannst du nach der Kletterwand rechts hinauf zu Monte Grisa abbiegen, der quasi käseförmigen Wallfahrtskirche auf dem Bergrücken. Von dort entweder mit dem Bus zurückfahren oder wieder zu Fuß nach Opicina spazieren. Der Rundspaziergang ist nicht anstrengend und umfasst etwa 7 km.

Häufige Fragen zur Tram di Opicina

Fährt die Tram aktuell?

Stand Mai 2026 nein. Am 12. Oktober 2025 ist das Zugseil der Standseilbahn gerissen, daraufhin wurde die anstehende 5-jährige Revision vorgezogen. Seit 15. Januar 2026 laufen die Arbeiten entlang der gesamten Strecke, voraussichtliche Wiedereröffnung Mitte Juni 2026 mit neuer Endhaltestelle Piazza Dalmazia. Ersatzbusse fahren auf der gleichen Route. Aktuellen Status auf tplfvg.it prüfen.

Wie lange dauert die Fahrt von Triest nach Opicina?

Die einfache Fahrt dauert knapp 25 Minuten. Auf dem Standseilbahn-Abschnitt zwischen Piazza Scorcola und Vetta Scorcola ist die Bahn mit ca. 12 km/h unterwegs.

Wo finde ich die Endhaltestelle in Triest?

Seit der Renovierung 2025/2026 heißt die Endstation in Triest Piazza Dalmazia (vorher Piazza Oberdan). Sie liegt direkt am Park Giardini Pubblici, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt.

Was kostet die Fahrt?

Die Tram ist Teil des öffentlichen Nahverkehrs (TPL FVG). Eine Einzelfahrkarte kostet 1,50 € (Stand 2026). Im Tarif inkludiert ist auch der Ersatzbus während der Revision.

Lohnt es sich, hochzufahren, wenn die Tram nicht fährt?

Ja, der Ersatzbus folgt der gleichen Route. Du verlierst nur das Fahrgefühl der historischen Tram. Caffè Vatta, die Strada Napoleonica und der Blick auf den Golf lohnen den Ausflug auch ohne nostalgisches Tram-Rumpeln.


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